Rolf Schönlau

Biographie

Rolf Schönlau ist 1950 in Paderborn geboren, studierte nach einem pharmazeutischen Praktikum Literaturwissenschaften und Psychologie in Berlin und München. Er war tätig als literarischer Übersetzer, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, veröffentlichte zwei Kinderbücher und wurde 2004 zum Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis nach Klagenfurt geladen, wo ihm von einer führenden Kritikerin »eine gewisse Spitzenhäubchenhaftigkeit« bescheinigt wurde, während andere die Verfilmbarkeit von Stoff und Figur erwogen.

Rolf Schönlau lebt einstweilen nicht in Hollywood, sondern im ostwestfälischen Schlangen.

Nölting oder Die Erfindungsfolter

Nölting oder Die Erfindungsfolter

Roman aus der Welt der Patente und Erfindungen

  • 80 Seiten
  • Hardcover in Leinen
  • Reihe Die Wissenschafts-Romane
  • nicht mehr lieferbar

978-3-86638-203-9

An dem Tag, so erzählt man, als das Automobil erfunden wurde, verließ der Mann, der die Erfindungen zu registrieren hatte, sein Büro und schloß es ab, weil es seiner Meinung nach jetzt nichts mehr zu erfinden gab.

So endet die Beamtenlaufbahn Heinrich-August Nöltings im Patentamt – und so beginnt eine Erzählung um eine Figur, die in ihrer ironischen Eigenwilligkeit ein älterer Bruder von Robert Walsers Jakob von Gunten sein könnte.

Nölting quittiert seinen Dienst nach 30 akribischen Jahren: Die Erfindung Carl Benzens vereinigt für
ihn die zwei großen Erfindungen der Menschheit, das Feuer und das Rad, im Verbrennungsmotor des Automobils. Bis hierher und nicht weiter! sagt Nölting und widmet sich von da an rückblickend, aber seinerseits in stetig sich steigerndem Forscherfieber und in zunehmender Erfinderverschrobenheit einer Art von generalisierter Theorie des Erfindens. – Rolf Schönlau läßt seinen Helden noch einmal von vorne beginnen bei der Suche nach dem blinden Fleck, der das noch nie Dagewesene birgt.

Was war nicht alles durch seine Bücher gegangen? Bahnbrechende Erfindungen wie das Telefon, die Glühbirne, die Schreibmaschine, das Dynamit. Mausefallen in so zahlreichen Varianten, daß er schon lange aufgehört hatte, sie zu zählen. Dann all die Erfindungen vom Typus »Sonnenschirm für Pferde, der das Tier vor Hitze schützt und gleichzeitig über seinem Kopf einen Luftstrom erzeugt, der störende Insekten vertreibt«. Unser Mann hatte alles mit unbewegter Mine registriert … Die letzte grobe Fehleinschätzung war ihm 1867 unterlaufen, natürlich nicht beim Dynamit, das Alfred Nobel sich in jenem Jahr hatte patentieren lassen. Dieser französische Gärtner mit seinen Pflanzkübeln – Zementmörtel, verstärkt mit Eisengeflecht – war es gewesen, der ihn damals zu einem seiner krassesten Fehlurteile verleitet hatte! Dem Monierbeton hatte er keinerlei Zukunftsperspektive gegeben.

Während dieses geistesgeschichtlichen Forschungsprogramms defilieren vor dem Leser die großen Erfindungen des 19. Jahrhunderts vorbei. Die Erfinder von Nähmaschine, Glühbirne, Dynamit, Schreibmaschine und vielem anderen beginnen, die Welt zu gestalten – und der Erfinder des Heinrich-August Nölting notiert:

Heinrich-August Nölting (1825 bis mind. 1902) gab mit seiner ganzen Existenz ein frühes Beispiel ab für den erst Generationen nach ihm formulierten Grundsatz, daß mit jeder Erfindung das dazugehörige Versagen gleich miterfunden wird.

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