Autoren & Bücher
Sophie Heeger
Sophie Heeger ist 1958 in Frankfurt am Main geboren, sie studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Medizin und absolvierte Ausbildungszeiten in der Psychiatrie, Chirurgie und Inneren Medizin. Es folgte die Promotion zu einem gynäkologischen Thema. Während der sich anschließenden Facharztausbildung zur Arbeitsmedizinerin betreute sie unter anderem das Polizeipräsidium Frankfurt, verschiedene Gerichte, sowie Justizvollzugsanstalten. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Mainz. Nahe Mainz arbeitet sie in eigener Praxis als Ärztin für Allgemeinmedizin.
Mit dem literarischen Schreiben begann Sophie Heeger 2009. Im Jahr 2012 erschien ihr Debüt-Roman unter dem Titel »Mephistos Erben« beim S. Fischer Verlag, gefolgt von bislang zwei weiteren Romanen bei den Kollegen von Ullstein.
Die Schattenrose
Rhein-Main-Krimi
- 388 Seiten
- im Softcover
- beidseitig bedruckter Einband
978-3-86638-534-4

Ein Todesengel geht in Mainz um:
In einem Mainzer Seniorenheim sterben besorgniserregend viele Bewohner. Kommissar Franz Bender und seine Kollegin Sandra Kurz von der Mainzer Mordkommission ahnen, dass sie es mit komplexen Todesfällen zu tun haben. Hat jemand absichtlich den betagten Menschen falsche Medikamente verabreicht, um ihrem Leben ein Ende zu setzen? Und haben die beiden Ermittler überhaupt eine Chance, hinter die kniffligen Zusammenhänge von Medikamentierung und Krankheitsbildern, Behandlungsmethoden und Alterserscheinungen zu kommen?
Oder hat der skrupellose und profitorientierte Manager der Seniorenheime etwas damit zu tun? Ihm scheint jedes Mittel recht, um auf der Erfolgsleiter nach oben zu klettern. Geht er dabei sogar über Leichen?
Oder muß dasvon ausgegangen werden, daß …
Ganz sicher mußdavon ausgegangen werden, daß hier ein spannender Kriminalroman um das erprobte Ermittlerduo Franz Bender und Sandra Kurz vorliegt – ein Buch für alle, die wendungsreiche Krimis mögen und sich zugleich gerne nach Mainz und in die nähere Umgebung der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt entführen lassen.
Bei Ullstein war der Krimi als eBook zu erhalten – nun kann man ihn gemütlich mit einem schönen Papier-Buch in der Hand schmökern!
Kaktus und Kanarienvogel
Roman einer doppelte Traumatisierung
- 208 Seiten
- Hardcover
- mit Lesebändchen
- auch als e-Book
978-3-86638-244-2

Ist das ethisch vertretbar: sich der Wahrnehmungsverschiebung einer verletzten Seele zu bedienen, um eine erzählerische Welt aufzubauen?
Ja, unbedingt – wenn sie erzählerisch bewältigt ist, wenn sie uns mehr zeigt als oberflächliche Phänomene, wenn sie hinter der sichtbaren, zugänglichen Welt auch die verborgene und abgespaltene Welt erscheinen läßt.
Dies leistet die Autorin Sophie Heeger, die durch ihre Kriminal-Romane (und es sind eher Romane denn Krimis) bei S. Fischer und im Ullstein Verlag bekannt geworden ist. Und sie schafft dies mit der gebotenen Sorgfalt und Vorsicht – ihrer Figur Anna gegenüber und uns gegenüber als Lesern.
Als diese sind wir unterwegs in einer traumartigen Welt, in der eine Frau von nichts bedrängt scheint als von der Organisation einer Reise, die sie selbst »Flucht« nennt. Mehr irritiert uns anfangs nicht, wenn wir ihr nach Venedig, Amsterdam und Paris folgen und sie aus wundersamen Begegnungen einen Kaktus und einen Kanarienvogel in seinem Käfig übernimmt. Beide hat sie an ihren verlockenden Destinationen halbfremden Menschen zu übergeben, so lautet ihr eindeutiger Auftrag.
Nie zuvor hatte Anna an Flucht gedacht. Doch an diesem Vormittag war der Gedanke plötzlich da. Wie aus dem Nichts tauchte er auf, gerade als Anna ein Handtuch aufhob, um es in den Wäschekorb zu werfen. Der Gedanke an eine Flucht erschien Anna jedoch fremd, sogar gefährlich, und so schob sie ihn rasch beiseite. Denn weder mochte sie das Fremde noch das Gefährliche. Doch der Gedanke war hartnäckig. Er kam zurück und dachte nicht daran, sich abschütteln zu lassen. Schließlich ging Anna in die Küche, um das Frühstücksgeschirr abzuwaschen. Insgeheim hoffte sie, den Gedanken zu überlisten, indem sie das Zimmer, die Tätigkeit und den Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit wechselte. Der Versuch schlug fehl. Der Gedanke blieb beharrlich und machte Anstalten, sich auf Dauer bei ihr einzunisten. So blieb Anna nichts übrig, als sich mit ihm zu beschäftigen. Eine Flucht! Ein rascher Aufbruch! Die Wohnung oder sogar die Stadt verlassen? Und mit welchem Ziel?
In die Wirklichkeit der Reisenden brechen jedoch schon bald Beklommenheit und Schrecken ein, die reisende Frau nimmt einen wandelbaren, unsicheren Boden unter ihren Füßen wahr und sie wird zum Opfer von gewalttätiger werdenden Figuren.
Doch dann hörte sie schwere Männerschritte. Anna presste ihr Ohr an die Tür. Langsam, ohne Eile, kamen die Schritte den Gang entlang und näherten sich ihrer Tür. Dann war es plötzlich still. Anna hielt die Luft an und sah zum Vogelkäfig, den sie neben sich gestellt hatte. Der Kanarienvogel drückte seinen Kopf gegen die Gitterstäbe und verharrte in dieser Position, kein Piepsen kam aus seiner Kehle.
Die Schritte entfernten sich! Anna wagte kaum zu atmen. Doch plötzlich machten die Schritte im Gang kehrt, kamen zurück. Anna verließ ihren Platz an der Tür und schob sich hinter das Podest mit den Kartoffelsäcken. Durch die Luke hörte sie eine quietschende Fahrradbremse, das Hupen eines Wagens und zorniges Fluchen. Dann war es wieder still. Auch auf dem Gang vor der Tür. Anna rührte sich nicht.
Plötzlich zerbarst die Kellertür unter einem Fußtritt und splitterndes Holz flog in den Vorratsraum. Instinktiv duckte sich Anna tiefer hinter die Säcke, obwohl sie wusste, dass es vergeblich sein würde.
„Der Eiffelturm hatte mehr Atmosphäre!“ Ohne Eile kam er zu Annas Versteck, blieb stehen und zog sie unnachgiebig auf die Füße. Seine Hand legte sich über ihre Kehle.
Was als märchenhafte Erzählung unter dem Blickwinkel von Anna beginnt und beinahe bezaubert, bricht mehr und mehr, um schließlich einem klaren Blick auf die dissoziative Wahrnehmung eines schwer traumatisierten Menschen zu weichen.
Mehr kann Literatur kaum leisten als diese Subtilität aufzubringen, die nötig ist, die mühseligen Übergänge zwischen so harsch getrennten Welten ein-, nein, sogar aufzufangen.
axel dielmann – verlag
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