Vor der Verlagsgründung

Im Jahr 1982 entsteht die Literaturzeitschrift SCHRITTE: Gedichte sollen an Leser gebracht werden, was die Frage aufwirft, wo denn Leser für Lyrik zu finden sein könnten – wo man sie mit dichten Zeilen und geballten Strophen einfangen könnte.

Die Grundidee: In Kaffeehäusern, damals in vielen Studentenvierteln noch nicht durch »Bistros« und sonstige In-Kneipen abgelöst, sitzt man gerne längere Zeit im Kaffeehaus und läßt sich treiben – genau der richtige Ort, um eine packende Lektüre zur Hand zu nehmen. Anders gesagt:

Ein DIN A 3 großes Blatt entsteht, zunächst mit nur 13 Inhaltsseiten, fotokopiert (was, man möchte es kaum glauben, damals im Format DIN A 3 noch eine echte technische Herausforderung war), auf dem Titel ein originaler Linolschnitt von Detlef Schumacher, eingespannt in selbstgezimmerten Zeitungshaltern – so hängt die Zeitschrift mit 13 Gedichten in insgesamt 43 Frankfurter Kaffeehäusern.

Das Seltsame geschieht: Es wird nach Fortsetzungen, nach Abonnements, nach der Möglichkeit, Beiträge einzureichen gefragt – so wird aus dem Versuch, Leser an einem Ort der Lektüre für einige wenige Gedichte zu begeistern, ein Periodikum.

Unregelmäßig vierteljährlich erscheint die Zeitschrift SCHRITTE nun 4 Jahre lang mit kopiertem Inhalt, die Original-Titel stammen von so unterschiedlichen Künstlern und Literaturfreunden wie Brigitte Kottwitz und Hans-Jürgen Dietz, Walter Diewock und Ilya Vassiliev. Der Redaktion gehören zunächst der inzwischen leider verstorbene Dichter Rolf Werner Kunz (Seien Kunzen / kein Verhunzen … keinesfalls) und Stefan Klamke an, später der Lyriker und Kritiker Klaus Hensel, heute beim HR Fernsehen tätig, und Thorsten Casmir, der leider ebenfalls verstorbene Romancier.

Erster Sponsor ist dabei die Firma Ricoh-Minolta: Sie gibt in ihrer Frankfurter Zentrale die DIN A 3-Kopie für nur 10 Pfennige ab – ein Spottpreis für die großen Kopien, die damals zumeist noch das Fünf- bis Achtfache kosteten.

Nach einer Pause erscheint SCHRITTE 1992 erneut, jetzt gedruckt. Bei diesem zweiten Erscheinen der SCHRITTE sind es nicht mehr nur rund 100 Cafés in Frankfurt am Main, die zuletzt bestückt wurden, sondern knapp 1.400 Kaffeehäuser und Bistros in 14 Großstädten von Hamburg bis München werden versorgt. Dies wurde möglich durch einige Sponsor-Partner wie Honda Deutschland GmbH und Deutsche Post (Schreib mal wieder war ein feiner Slogan für eine Anzeige in einer Literaturzeitschrift und bescherte uns ganze Waschkörbe voll Gedichtzusendungen ...), welche den Vertriebsweg und die »Multiplikation« durch den Aushang in Cafés zu schätzen wußten. Beigetragen zum Gelingen dieses Konzeptes hatte sicher die Tatsache, daß Hilmar Hoffmann, Kulturdezernent Frankfurts, der Zeitschrift einen großartigen Letter of Intent mit auf den Weg gab: »Form und Inhalt machen die Eigenwilligkeit spürbar, die geschriebener Kunst wohl angemessen ist. Auch mit der Wahl des Weges zu den Lesern haben Sie eine gute Entscheidung getroffen. Als Journal, das im Café, Bistro und anderen Begegnungsstätten zum Lesen und Nachdenken einlädt, gelangen Ihre »Schritte« in geeigneter Atmosphäre an das richtige Publikum. Kunstvoll und eindrucksstark zugleich, vermag Ihre Zeitschrift auch dort dauerhafte Aufmerksamkeit zu wecken, wo andere Blätter im Wust der Kurzlebigkeit versinken.«

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