Ein erster »Seller«

Der Erfolg eines zunächst unscheinbaren Bändchens in der 16er Reihe im Jahr 1998 ist der liebenswerten Sorge von Martin Bullinger um seinen Verlag zu danken:

Regelmäßiger Leser der Frankfurter Rundschau, der er damals war, kam Martin Bullinger mit einem kleinen Artikel aus dem Lokal-Kultur-Teil an, in dem von einem jungen Buchhändler berichtet wurde, der skurrile Erlebnisse mit seiner Kundschaft in einer Kladde gesammelt hatte. Bei der Buchhandlung Hugendubel in Frankfurt hatte Gérard Otremba diese Kladde neben der Kasse liegen und trug über anderthalb Jahre hinweg ulkige Fragen und seltsame Anliegen seiner Kunden ein: Guten Tag, ich hätte gerne von Hermann Hesse Nazis in Dortmund oder Entschuldigen Sie, wir brauchen ein Buch, das farblich zu diesem Vorhangstoff hier paßt … Es kann ruhig ein Schutzumschlag sein oder Sagen Sie, haben Sie ein Buch für einen intelligenten Einjährigen? – Wir wünschen dem Kind alle Bücher dieser Welt.

Martin Bullinger war sicher, das würde ein vergnügliches Bändchen für die 16er Reihe abgeben – die Redaktion der Rundschau half freundlich mit der Adresse von Otremba aus, der war entzückt – und zwei Monate später erschienen Die Geheimen Aufzeichnungen des Buchhändlers. – Inzwischen sind sie in der 16ten Auflage, gut 30.000 Exemplare, alle von Hand fadengeheftet, sind verkauft – 1999 reicht Otremba die Fortsetzung Ein weiterer Tag im Leben des Buchhändlers nach, der seinerseits inzwischen die fünfte Auflage erreicht hat, zusammen fast 40.000 Exemplare.

Dank an Gérard Otremba – und an Martin Bullinger, den wachen Freund!

Dessen erster Roman erscheint: bussard. / die sandberg. Zwei eigenwillige Liebesgeschichten, in fließend einander ergänzenden Perspektiven erzählt, durchzogen von fast schon minimalistischen Inseln subtiler Landschaftsbeschreibungen, die ebenso zum Markenzeichen von Bullinger werden wie seine interpunktionslose Kleinschreibung, und von weiträumig verzahnten Gesprächen seiner wie aus groben Fotorastern heraustretenden Figuren. Eine Herausforderung – aber es gilt: Herausforderungen sind die beste Unterhaltung! (Deshalb: Junge Literatur lesen!)

Bei diesem Motto bleiben wir – allerdings brachte 1998 zunächst einen teuren und wenig vergnüglichen Ausflug ins Juristische mit sich:

Zoë Jenny und ihr Vater Mathyas erwirken eine Einstweilige Verfügung gegen das Buch Abschiedsparcours von Martin Roda Becher. Darin enthalten war eine von drei Erzählungen, Hummerpark, von der Becher im groß herausgebrachten Interview mit der Schweizer Illustrierten FACTS sagt, sie sei von Tochter und Vater Jenny inspiriert worden – man interpretiert das (aufgrund einer Erzählung über eine Erzählung in der Erzählung) als Inzest-Vorwurf. – Das Buch – solange es die Erzählung Hummerpark enthält, aber so ein Buch ist ja nun mal kein Baukasten! – bleibt nach Streit in mehreren Instanzen verboten. Eine kleine Auflage wird »beschnitten«, es entsteht als »Lückenfüller« das eigens hergestellte Bändchen der 16er Reihe Die letzte Fléche von Martin Roda Becher, das in den um den Hummerpark reduzierten Abschiedsparcours eingelegt wird.

Das nicht ausgelieferte, aufwendig produzierte Buch sowie die Prozeßkosten würden den Verlag, wäre nicht der wirtschaftliche Erfolg der Geheimen Aufzeichnungen des Buchhändlers gewesen, gekillt haben!

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