Die Wiedererlangung eines gewissen Glücksgefühls

Nach den drei 16er-Bändchen Paulus Böhmer & Katharina Hacker »Von denen Schnecken«, dann Paulus Böhmer & Klaus Reichert »Eben noch, Vor langer Zeit, Jetzt / Über Monster« und» Wer ich bin?« über den Dichter Böhmer, erscheint dessen zweiter dicker Gedichtband bei uns: »Palais d'Amorph« als Band der Hauptwerke-Reihe in orangefarbenem Leinen mit lila Schärpe. Ein Schmuckstück in der Reihe, und es erfüllt mit einigem Stolz und gibt Auftrieb, wenn ein Büchernarr wie Michael Krüger (Hanser Verlag) dazu schreibt: »Die schönsten Bücher haben in diesem Jahr Sie gemacht!«

1999 bringt zudem die bislang mächtigste Auflage für ein Buch der Reihe ETIKETT, das sich obendrein im Buchhandel schwungig verkauft: Das Tee-Buch zusammen mit Der Teeladen Gebrüder Gschwendner. »Die Blaue Stunde / Tee in der Weltliteratur« wird in den 129 Franchise-Geschäften von Der Teeladen als Weihnachtspräsent angeboten – und der Band findet so begeisterte Aufnahme, daß eine erfreuliche weitere Auflage bei den Buchhändlern nachgefragt wird.

Anfang April 1999 stirbt der große Verleger Giulio Einaudi im Alter von 87 Jahren. Insgesamt scheint mir, hatte der 70-Jährige in seiner Verlagsbiographie »Guilio Einaudi im Gespräch« gegenüber Severino Cesari ausgeführt, »die größte Herausforderung an das kulturell anspruchsvolle Verlagswesen für die nächsten zwanzig Jahre die Wiedererlangung eines gewissen Glücksgefühls zu sein. Vielleicht ist der größte Mangel eines kulturell ambitionierten Verlagshauses, in dem die Atmosphäre notwendigerweise auch geschäftsmäßig sein muß, wenn auch nicht bürokratisch, das Fehlen eines Glücksempfindens. Das ist mein Eindruck, es kann ein falscher sein, aber warum sonst soviel Unruhe und Unzufriedenheit?« – Die Bücherwelt ist mit dem Tod von Einaudi ärmer geworden! Was die »Wiedererlangung eines gewissen Glücksgefühls ... in den nächsten zwanzig Jahren« anlangt, haben wir nun noch knappe 2 Jahre Frist!

Lassen wir die Toten die Toten begraben, sagt André Gides »Schlechtgefesselter Prometheus« einmal abgeklärten Herzens. Wir versuchen es anders:

In dem Band »Geliebte in anderen Häusern« erzählen 42 Verleger-Kolleginnen und – Kollegen darüber, welche ihrer Lieblingsbücher leider in anderen Verlagen erschienen – und warum das jeweils so kam. Die Sammlung, die in der Reihe ETIKETT erscheint und als Partner den großen Papier- und Buch-Veredler Achilles GmbH in Celle hat, ist aus der gleichnamigen Kolumne der Rezensions-Zeitschrift LISTEN hervorgegangen. Deren Herausgeber Bruno Piberhofer und Ferdinand Schmökel sind zugleich die Herausgeber des Buches.

Mit LISTEN hatte sich eine freundliche Zusammenarbeit ergeben, weil immer häufiger Autoren des Verlages und auch Axel Dielmann ihre Lektüre-Erlebnisse und literarischen Trouvaillen für LISTEN besprochen hatten.

Ferner ist 1999 das hoffnungsvolle Jahr einer beginnenden Partnerschaft mit dem schwedischen Papierhersteller SCA, der in Deutschland durch die Agentur Engel & Zimmermann, Starnberger See, in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt wird. Zusammen mit Herrn Zimmermann und seiner Agentur entsteht der Plan, eine Buchreihe zu konzipieren: Für 5 Jahre soll jährlich zu Weihnachten ein Buch mit je fünf europäischen jungen Erzählern aufgelegt werden, möglichst noch unbekanntere Autoren, jeweils aus wechselnden europäischen Ländern. Entsprechend erscheint ein Prachtband mit den Autoren Carl-Johann Vallgren (Schweden), Katrin Heinau (Deutschland), Scott Bradfield (England), Thomas Schwab (noch einmal Deutschland) und Dominique Ponçet (Frankreich) – in deutscher und in englischer Ausgabe. Professor Hilmar Hoffmann, Präsident der Goethe-Institute, steuert das Vorwort bei.

Die Bücher sind ein großer Erfolg, es gibt begeisterte Dankesbriefe der mit den Bänden Beschenkten – aber leider wird im Februar 2000 die Firma SCA Fine Papers mit Stumpf und Stiel vom Papierriesen Mondo Paper übernommen, und der stellt die Reihe (neue Besen kehren gut) ein. (Alte Besen wissen aber auch zu fegen, und so wird der Fünfjahresvertrag nicht, wie sich Mondo das vorstellte, einfach aufgelöst; sondern er wird insoweit aus-gelöst, daß einige andere feine Bücher möglich werden! – Schade ist es dennoch um die Reihe – und wenn je ein Unternehmensleiter diese Zeilen liest, der gerne liest und Literatur für ein würdiges Geschenk an seine europäische Kundschaft, seine Mitarbeiter und Partner erachtet: Die Rechte an der Reihe liegen beim Verlag, und es wäre ein Feines für alle Beteiligten, die Jungen Europäischen Erzähler und die Young European Narrators wieder auf- und weiterleben zu lassen!)

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