Die Erfindung der Schwäbischen Broschur

Mit der Anmutung eines Hardcovers mit Vor- und Nachsatzblatt hat der Schutzumschlag des schlanken broschierten Bandes jeweils zwei Laschen, das ein Panorama nach einem Landschaftsbild von Felix Hollenberg in Breitwand ziert, also nicht schwäbisch knauserig, eher opulent, und unbedingt zur Feier des Schwaben Mörike.

Und Olaf Velte – seinerseits so stur wie die Verhältnisse der Literaturproduktion zäh sind – findet allmählich seine Fürsprecher und zaghaft die Anerkennung, die seiner unaufgeregten und poetisch präzisen Arbeit gerecht wird. In der FAZ vom 25.10.2004 hört sich dies nach einer Lesung im Hessischen Literaturforum Frankfurt so an:

Ein Landwirt, der dichtet? … Mit Naturgedichten, die unter dem Titel Ein Kragen aus Erde vor vier Jahren im axel dielmann – verlag erschienen sind, mit einer Erzählung zum 200. Geburtstag des rebellischen Dramatikers Christian Dietrich Grabbe vor drei Jahren und einer weiteren über jenen unglücklichen Dichter im Pfarrock, dessen 200. Geburtstag erst ein paar Wochen zurückliegt: Eduard Mörike. ... Die Deutsche Schiller-Stiftung hat ihn voriges Jahr mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet, und das Land Hessen schickt ihn jetzt mit dem Moldau-Stipendium ins Böhmische Krummau. ... Velte hat sich offenbar auf die Lücken in den offiziellen Biographien der Schriftsteller kapriziert. Also erzählt er von einem Mörike, der sich 1829, also am resignativen Wendepunkt seines Lebens, mit Wanderhirten vor einem drohenden Unwetter in eine Schafshalle der Schwäbischen Alb flüchtet. ... Aber es geht Velte gar nicht um das Stopfen litetarurhistoriographischer Lücken. Er gräbt vor allem in alten Sprachschichten, um verschollene Wörter zutage zu fördern und eine lexikalische Kluft aufzureißen zwischen der schwäbischen Scholle von dazumal und dem Stadtpflaster des heutigen Literaturbetriebs. Das gelingt ihm ohne anakreontisches Geklingel, ohne Blut-und-Boden-Pathos. Wie bei Peter Huchel und Johannes Bobrowski sind seine Gedichte und seine lyrische Prosa wohl geerdet, nur nicht märkisch oder sarmatisch, sondern im Taunus.

Zur Frankfurter Buchmesse 2004 erscheint Kirsten Kühlkes Romankapriole Der Moana Effekt. Kirsten Kühlke, 1965 geboren, hatte nach einigen regionalen Literaturpreisen den Allegra-Literaturpreis 2003 gewonnen, Thomas Wiederspahn hatte den Kontakt hergestellt. Ihr Roman-Debüt ist sicher eines der vergnüglichsten Bücher, die im Verlag erschienen sind und es dabei auf subtile Weise in sich haben: Ich liebe das Mäandern, sagt Kirsten Kühlke anläßlich eines Interviews zu einer Lesung, das Wuchern, Schäumen und Schlingen von Worten, von Sätzen, und ich glaube altmodisch sogar an die berauschenden Möglichkeiten von mehreren Nebensätzen. Wir haben im Deutschen Unmengen herrlicher Worte, nehmen wir sie zur Abwechslung auch mal in den Mund respektive aufs Papier. (…) Am schönsten ist es, wenn einen die Sprache wegträgt. Oder um Pessoa zu zitieren: Die Literatur ist die angenehmste Art, das Leben zu ignorieren.

Ein neuer Überraschungserfolg stellt sich ein, aufgrund einer eher prosaisch-unliterarischen Leidenschaft von Ferdinand Schmökel, der bislang die LISTEN chefredigiert hatte: Ferdi Schmökel betreibt auf seinem Dachspeicher eine Carrera-Rennbahn, wie er bei seinem 45sten Geburtstag gesteht. Die Besichtigung läßt nicht nur einen vierspurig ausgebauten Speicher bestaunen, sondern auch Ferdis Plan einer kleinen Ratgeber-Reihe für »Slot-Car-Fans«, so der Szene-Name der Bahnen, offenbar werden.

Etliche Gespräche ergeben rasch, daß hier eine mächtige Fan-Gruppe tobt, und so entstehen die ersten beiden Bändchen von Ferdis Garage / Slotcar Themenhefte.

Das Ganze findet so prächtigen Anklang, daß nach Der Einsteiger und Die alte Universal (ein Klassiker der Carrera-Bahnen – wer mehr wissen will und wem der Reglerdaumen zuckt, der muß unter www.ferdis-garage.de nachsehen: Gib Gummi!) rasch ein dritter Band Neue Autos für die alte Universal hergestellt werden muß – hoch lebe das Nischenprodukt!

Thomas Wiederspahn gibt das Buch Briefe an M. heraus: Die Auseinandersetzung der französischen Künstlerin Patricia Boulay mit ihrer Aktmalerei und -zeichnung. In der Maaschanz, dem feinen französischen Restaurant von Bruno Laufenberger am Mainufer, findet am letzten Messe-Tag die Premiere statt.

Kurz vor Weihnachten, am 21. Dezember, ist Marie-Luise Schwarz-Schilling bei Sandra Maischberger in der Talkshow. Zwar ist gegen die Lieblichkeiten und lächelnde Problemferne des telegenen Ehepaares Paola und Kurt Felix kaum mit kritischen und historischen Erwägungen anzukommen; aber M.-L. Schwarz-Schilling plaziert mit Nachdruck ihre zentralen Überlegungen.

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