Ein großes Thema, ein Brückenschlag

Schon vor zwei Jahren stand in mehreren Diskussionen und Lektoraten das seltsame Phänomen im Raum, daß die allermeisten deutschsprachigen Autoren naturwissenschaftliche und technische Themen meiden, wie der Berühmte … Ganz wenige Autoren gehen inhaltlich mit Themen aus Wissenschaft und Forschung um, selten einmal tauchen Wissenschaftler als Romanfiguren auf, fast nie spielen Romane im Forschungsmilieu. Anders als in den meisten anderen nationalen Literaturen sind diese Themata keineswegs in dem Maße in der hiesigen Literatur vertreten, in dem sie geistesgeschichtlich, kulturell, ja auch wirtschaftlich bedeutsam sind. Wie kommt das?

Wie auch immer es sich motiviert – es wurde immer reizvoller, einen Brückenschlag zwischen den beiden Kulturen (eine Formulierung, die, wie sich herausstellt, C.P. Snow schon in den späten 50ern benutzte, um die hier befaßte Kluft zu bezeichnen) zu versuchen: Literarische anspruchsvolle Romane in einer neuen Reihe zu präsentieren, die sich inhaltlich explizit mit Naturwissenschaftlich-Mathematisch-Technischem befassen. – Schnell wurde dabei klar, daß dies ein mächtiges Projekt sein würde.

Denn durchaus gibt es, im Verborgenen, in den Schubladen, eine Menge spannender Romane und Erzählungen, die beide Kulturen, die wissenschaftliche und die belletristische, miteinander in Kontakt und in Schwingung bringen. Ein seit langem lagerndes, einst unverlangt eingesandtes Manuskript des Erzählers und Genetikers Bernd Ulrich Krippl war über die Jahre nicht nur entwickelt worden, sondern Krippl hatte zwischenzeitlich einen zweiten Roman geschrieben, der wiederum in der Welt der Gentechnik und ihrer Labors spielt: Sein »Harter Fall« wird nun eines der ersten Bücher in der neuen Reihe sein.

Diese Reihe hat den Namen »Die Wissenschafts-Romane« bekommen. Und während ein schöner Fundus an großartigen Romanen deutschsprachiger, aber auch italienischer, französischer, schwedischer, flämischer, amerikanischer, englischer Autoren sich fand, war ein anderer Fundus einzurichten: Ein zweiter Versuch, eine Beteiligungs-Gesellschaft einzurichten, startete. – Diesmal waren, um die Reihe auf zunächst 7 Jahre solide zu kalkulieren und zu betreiben, rund 190.000 Euro Investments einzusammeln. Entsprechend war viel Zeit nicht am Schreibtisch und mit Autoren zu verbringen, sondern bei Venture Capital-Meetings und unter Investoren. Eine recht neue Welt, neue Spielregeln, neue Denkweisen – alles höchst lehrreich, auch oder gerade für den Betrieb einer Kulturfirma, wie ein Literatur-Verlag sie darstellt.

Inzwischen ist ein Drittel der gesuchten Einlagen und eine sympathische Runde von Investoren und Beteiligten zusammengekommen – und die Sache geht demnächst los! (Wenn Sie in sich an dieser Stelle bei Ihnen Investitions-Gedanken oder die Frage nach einer hübschen, weil sowohl inhaltlich als auch finanziell durchaus lohnenden Anlage regen, dann soll Ihre Neugierde gerne auf ein kurzes Mail hin befriedigt werden. Die Business Angels Frankfurt Rhein-Main haben sich interessiert die Beteiligungsmöglichkeiten angehört und ich verspreche, daß die Sache mindestens so viel Spaß abwirft, wie ein Gespräch über Pfandbriefe oder ein Sparbuch! – Neugierig? – Mailen Sie Ihre Neugierde!) – Die bisherigen Vor-Arbeiten am Logo der Reihe zusammen mit der Graphikerin Leonie Bodeving, die Konzeption der Gestaltung (noch einmal: mit Urs van der Leyn aus Basel!) der Bücher für »Die Wissenschafts-Romane«, die Arbeit mit Kornelia Boje als Fotographin an den hinreißend beziehungsreichen Titelbildern für die Bände, die Arbeit mit Steuerberater Michael Milde und Rechtsanwalt Reitzlein am Vertrag für die Beteiligungsgesellschaft, die Gespräche schließlich mit unseren neuen Vertretern Judith Heckel und Stefan Pierre-Louis über die neu einzuschlagenden Vertriebswege der Bücher, die ja zwei Leser-Welten und Buchhandels-Bereiche einfangen sollen und können – all diese war und ist hoch spannend. Und es gibt einen Ausblick auf ein langes, sehr langes Projekt, das mit einer riesigen Themen- und Formenvielfalt und mit verheißungsvollen ästhetischen Herausforderungen an den angestrebten Brückenschlag aufwartet.

Schon hat sich eine schöne Kooperation mit der Stadt Frankfurt am Main angebahnt, die – wie die Rhein-Main-Region insgesamt – sich als Wissens- und Wissenschafts-Region empfehlen möchte; schon auch ist eine regelmäßige Zusammenarbeit mit dem ersten Wissens-Radio Wilantis, Stuttgart, verabredet; schon hat die Wissenschafts-Homepage www.s4frm.de Science for Frankfurt Rhein-Main sich mit dem Projekt verlinkt; die neue Reihe Die Wissenschafts-Romane beginnt ihre Brückenköpfe in die Welt zu schieben …

Kornelia Boje stellt durch ihre beeinduckende Arbeit als Sprecherin auch von Hör-CD-Produktionen einen Kontakt zum Hör-Verlag O.SKAR von Franziska Pörschmann in München her. Es reift der Plan, eine Hör-Version des Romans Ullas Erwachen zum Frühjahr 2007 zu publizieren. Eine schöne Aussicht für den Roman, der bei der Presse sicher kräftigeres Echo verdient hätte – wer ihn hört und hörte bei den Lesungen, war und ist gepackt, und so mag hier die richtige Vermittlungsschiene entstehen, natürlich mit der Stimme der Autorin selbst!

Zwischendurch der große Bauchpinsel: Das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels lädt Axel Dielmann zu seinem berühmten »Fragebogen« ein – zugegeben, Stolz ist zwar eine der Todsünden, aber die daraus entstehende Arbeitseifrigkeit könnte mich vor dem Fegefeuer bewahren …

Im frühen Herbst 2006 entsteht ein Kontakt zu dem Finanzdienstleistungs-Unternehmen Thomson Financial GmbH – schon ein Jahr zuvor war im Gespräch, das erfolgreiche ETIKETT »Ein literarischer Gang an die Börse« mit Thomson neu aufzulegen. Und nun soll es sein: Thomson übernimmt eine neue Sponsoren-Partnerschaft für den Band, setzt ihn auch seinerseits kräftig als Kunden-Geschenk ein. – Damit ist das Buch zum vierten Mal mit einem Partner verbunden, nachdem ursprünglich SAP-Tochter SAPsi zu ihrem Börsengang das Buch nutzte, dann die Commerzbank als Konsortialführer dieses IPOs das Buch ausgab und die Deutsche Börse AG den Band zu Weihnachten 2002 verschenkte. Ein schöner Erfolg für das Buch, für sein anthologisches Konzept und für unsere die Reihe ETIKETT insgesamt!

Im späten September findet in Frankfurt das 3. Literatur-Festival »LiteraTurm« statt. Wir richten erneut die Literarische Schnitzeljagd durch Frankfurt aus: Per Fahrrad oder zu Fuß kann man gegen 3 Euro starten und durch die Literaturgeschichte, diesmal um die Wissenschaftsgeschichte der Stadt ergänzt, spazieren. Schier sprachlos stehen wir am Start – den über 300 Teilnehmer versuchen! – Unser Sponsor, die Frankfurter Sparkasse (einer des hinreißendst bemühten Partner, die wir je unter rund 80 Sponsoren bislang hatten, herzhaften Dank!) hatte uns mit rund 500 Klemmbrettern für die Lösungsnotizen am Weg und mit knallroten Bleistiften für die Teilnehmer ausgestattet (und mit einem erfreulichen Finanzbeitrag natürlich auch …), und so wurden an diesen Insignien die Teilnehmer überall in der Stadt gesichtet – auf der Tour, abseits von der Tour, weit abseits von der Tour … aber alle, alle kamen an, und waren vergnügt. Große und kleine Bücherpakete als Prämien für die schnellsten, die freilich auch die richtigen Lösungen zu den 26 Fragen des Parcours haben mußten. – Schöne nächtliche Gespräche am Rande dieses Literatur-Festivals gabe es darüber in der Bar des Hotel Mercure am Hauptbahnhof, dem Autoren-Treffpunkt der Literaturnächte. Lange Erwägungen mit Alban Nikolai Herbst, der in der BHF-Bank mit Menninghaus über Ästhetik sprach, erhärten einen ab Sommer gereiften Plan: Wir machen wieder einen gemeinsamen Band! Und ja, wieder einen Querschläger, sozusagen, nämlich Herbsts ersten Gedichtband (und schauen Sie ruhig mal genauer hinein, in sein beeindruckendes Netz-Werk): Seine Liebesgedichte werden im Januar 2007 als 16er erscheinen, in deutsch-französischer Ausgabe. Eine feine Volte an den Verlagsbeginn …

Unterdessen ist das zweite Buch von Meinrad Braun lektoriert, die Erzählung eines Abenteuers des Giacomo Casanova im Jahre 1764, das unter dem Titel »Die künstliche Demoiselle« erscheinen wird. Die »Schwäbische Broschur«, die von Urs van der Leyn für Olaf Veltes Mörike-Erzählung erfunden worden ist, wird diesen Band ummanteln. Und Meinrad Braun ist es auch, der mit einer Lesung, einstweilen noch aus der »Winterreise«, eine kühne Veranstaltungsreihe eröffnet: Kühn, weil sie zwei unterschiedliche Genres verbindet, den Dokumentarfilm und die Literatur, und zwar in der Reihe »2 x Deutschlandreise«. Wolf Lindner hatte eine Serie von Film-Abenden vorbereitet, in denen es jeweils einen Film über Deutschland-Selbstbilder gehen sollte, danach immer ein Film-Gespräch. Der neue Umgang mit nationalen Symbolen wie der Deutschlandfahne seit der Fußball-WM 2006 hatte dazu angeregt, 8 Filme über distinkte Aspekte des Landes zu zeigen, darin es um Selbstverständnis und Darstellung Deutschlands gehen sollte. Nun kam die Idee auf, jedem Film ein Buch und seinen Autor an die Seite zu stellen, jedem der acht Filme eine Lesung aus einem Buch unseres Programms voran zu stellen, darin es um ebenfalls ein Bild der Republik gehen sollte. – Meinrad Braun und seine 1953 spielende »Winterreise« durch Deutschland zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunderanfang paßte da fein zu »Wege in der Dämmerung« von Anja Unger, Patricia Boulays »Briefe an M.« kamen neben »Mittendrin« von Marco Wilms zu Gehör, Olaf Veltes Landschaftsgedichte ergänzten »Am Arsch der Welt« von Claus Strigel … Das ganze in der loftigen Atmosphäre des Willi Praml-Theaters in der Frankfurter Naxos-Halle – ein Experiment, das im einzelnen sicher mehr diskursive Tiefe vertragen hätte, aber einen weiteren Ansatz zur Verständigung zwischen den kulturellen Feldern, hier Film und Literatur lieferte.

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