Ins zweite Jahr

Das Jahr 1994 beginnt mit der Vorfreude auf das Buch Ohnsgrond. Ein wüster Roman, der auf einer fiktiven Insel vor der Küste Norwegens spielt. Thorsten Casmir, der ehemalige SCHRITTE-Mitkämpfer, ist sein Autor, der in dem Buch die gesamte Inselbevölkerung an Aids hinsiechen läßt und Ohnsgrond zur Allegorie auf den Globus macht, falls die Krankheit sich ausbreiten sollte. Ein schwarzes Buch, eine erschlagende Ladung Literatur.

Kurz nach Beendigung des Lektorats stirbt Thorsten Casmir, gerade 36 Jahre alt, an Aids. Er hat das Buch nicht mehr in der Hand haben können, es wird ihm am Ende gleichgültig gewesen sein, denn Thomas Hettche hat recht, wenn er in seinem Nachruf in der FAZ den Roman selbst zitiert mit: Die Sterbenden nehmen sich selbst, was sie brauchen bis zum Tod, und dann klarstellt: Den Toten aber hilft nur die Aufmerksamkeit der Lebenden!

Trotz dieses traurigen Ereignisses folgt eine regelrecht euphorische Zeit. Mit den Verlagen Gatza, Im Waldgut, Bruckner & Thünker entsteht die Kunden-, heißt Leser- und Buchkäufer-Zeitschrift aus-druck, die in hoher Auflage an die Buchhändler zur Weitergabe an die gemeinsame Kundschaft verteilt wird. – Zwar zeichnet es sich ab, daß die Zahl der Buchhändler, die ein unabhängiges, junges Verlagsprogramm pflegen werden, mehr als überschaubar ist, sogar in Schrumpfung begriffen ist – aber mit der mächtigen und grundlegenden Besprechung von Professor Kühlmann zum Wolpertinger in der Tiefdruck-Beilage (oh, selige Zeiten!) der FAZ beginnt die breite Wahrnehmung von Buch, Autor und Verlag.

Zum Wolpertinger-Roman kommt im Juni eines der herzigsten Faxe bei uns an: Der Buchhändler Samtleben, Buchhandlung im Literaturhaus Hamburg, ergänzt seine Bestellung zweier Exemplare des Dickleibers: »… Unser Zeichen: GAR / Versand Libri-Dienst oder Post normal / Eindruck: beachtlich! / Herzliche Grüße«. – Das beflügelt. Das ist zudem die Stelle, einmal allen Buchhändlerinnen und Buchhändlern zu danken, die sich um unsere Bücher und Autoren und das Programm bemühen. (Soll natürlich heißen: Weiter so! Auf gutes gemeinsames Gelingen!)

Leider ist es mit der zweiten Ausgabe des aus-druck dann vorbei mit dem gemeinsamen Blatt – zu schwierig ist die Finanzierung, zu unterschiedlich die Vorstellungen der beteiligten Verlage, zu vorsichtig, ja ängstlich der Gebrauch, den manche Buchhandlungen davon gegenüber der gemeinsamen Kundschaft machen. – Also geht das Werben um Leseraufmerksamkeiten in Form von möglichst originellen Lesungen weiter.

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