Autoren & Bücher
Rolf Dieter Brinkmann


Zur großen »Kollaboration« von Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla an dem Buch »Frank Xerox’ wüster Traum« hier zunächst die Kurzbiographie von Brinkmann:
Rolf Dieter Brinkmann (im Foto rechts) wurde am 16. April 1940 in Vechta geboren; er starb am 23. April 1975 in London bei einem Verkehrsunfall.
Legendär ist seine zusammen mit Ralf-Rainer Rygulla kompilierte Anthologie »ACID«, die 1969 erstmals eine Auswahl und einen Überblick zu junger US-amerikanischer Literatur brachte. Er war ein selbst als Dichter und Schriftsteller tätig, zudem Herausgeber und Übersetzer diverser Werke. – Nach ihm benannt ist das Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendium, in dessen Genuß er, die meiste Zeit seines kurzen Lebens in prekären Verhältnissen lebend und arbeitend, gewiß selbst gerne gekommen wäre.
Im Jahr 2025 würde er seinen 85. Geburtstag feiern, wäre nicht zugleich im Jahr sein 50. Todestag. Er wird unter anderem gewürdigt durch eine Neu-Ausgabe seiner Gedichte im Band »Westwärts 1 + 2« bei den Kollegen im Rowohlt Verlag sowie die große Brinkmann-Biographie von Michael Töteberg, ebenfalls bei Rowohlt – wir freuen uns, ihn mit »Frank Xerox’ wüster Traum« feiern zu dürfen.


Frank Xerox’ wüster Traum
und andere Kollaborationen
- von Rolf Dieter Brinkmann
- und Ralf-Rainer Rygulla
- 112 Seiten
- 4-farbig
- Softcover in DIN A 4
- mit vielen Abbildungen und Faksimiles
- Nachwort von Ralf-Rainer Rygulla
- Anmerkungen Michael Töteberg
978-3-86638-469-9

Im Herbst 1969 bis zum Herbst 1970 hatten Ralf-Rainer Rygulla und Rolf Dieter Brinkmann, deren legendäre Beat-Anthologie ACID gerade erschienen war, eine ganz andere Kollaboration: Sie trugen nicht nur gemeinsam Texte und Bilder US-amerikanischer Autoren und Künstler zusammen, sondern schrieben selbst neue Texte, als Duo.
Dabei verfolgten Sie den Ansatz, die klassische, zumeist verklärte »Autorschaft« aufzulösen und die im Wechsel entstehenden und einander collagierenden Texte zu vergemeinschaften: Sie verstanden die im Austausch und in wechselseitiger Anregung sich entwickelnden Texte als neue literarische Gattung, quasi ohne Autor.
»Frank Xerox’ wüster Traum« ist dabei auch eine Hommage an die neue Vervielfältigungstechnik der Fotokopie (erster Kopierer von Xerox 1959), mit der alternative Publikationsformen – die ‚little mags‘, die Fanzines – schnell und preiswert und mit einem Inhalt hergestellt werden konnten, der nicht die traditionellen literarischen Qualitätsfilter passieren musste.
Grundstock und Hauptteil des Bandes bilden Faksimiles des Manuskripts, wie es die beiden Autoren vor 55 Jahren zusammengestellt haben. Durch anderweitige Arbeiten der beiden, aber auch durch den frühen Tod von R.D. Brinkmann sowie die Insolvenz des damaligen MÄRZ Verlags war es nicht zur Edition gekommen. Die erhaltenen Text-Stücke, seit kurzem als Vorlaß von Ralf-Rainer Rygulla im Literatur-Archiv Marbach (dessen Mitarbeitern lieben Dank!), sind durch Briefwechsel und Montage-Pläne, durch Scribbles und Redaktionsnotizen, auch durch Einlassungen Dritter, wie dem großartig präzisen Brief von Dieter Wellershoff zu dem Projekt und der in ihm anvisierten literarischen Erneuerung, sowie durch zahlreiche Illustrationen ergänzt.
Frank Xerox ist eine ästhetische Entdeckungsreise in eine aufgeregte, euphorische Zeit, in der neue Möglichkeiten des Schreibens begannen, Einfluss auf die Literatur zu gewinnen – bis hin zum strapazierten Medium Pop-Literatur.


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