Dieter Frankenberg

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Dieter Frankenberg ist 1938 im hessischen Friedberg geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1958 Studium der Physik und Habilitation in Frankfurt am Main. Ab 1991 Leiter der Abteilung Klinische Strahlenbiologie und Strahlenphysik an der Universität Göttingen. Seit der Schulzeit besuchte er regelmäßig die Abendklasse der Frankfurter Städelschule. Sein Lehrer war Walter Hergenhahn, Meisterschüler von Max Beckmann.  – Dieter Frankenberg schreibt Lyrik und Prosa und befaßt sich sowohl mit künstlerischen Drucktechniken wie dem Holzdruck als auch mit Malerei.

Sarah

Sarah

Eine Erzählung

  • 72 Seiten
  • Schwäbische Broschur

978-3-86638-929-8

14.00 € Anfrage

»Lange lagen sie in Erschöpfung. Sie waren in einer anderen Zeit.«

Eine Liebesgeschichte, die schon dadurch besonders ist, daß sie ihr Liebespaar aus denkbar gänzlich unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen zusammenbringt: er radikaler Kritiker des Kapitals, sie Tochter aus luxurierender Spekulatenfamilie; sie zunächst bedenkenlos unterwegs im teuren Sportwagen, er auf dem Sprung von der systemkritischen Wirtschaftswissenschaft zum Berater eines Amtes für Wirtschaftskriminalität. - Hat das und haben diese zwei eine Chance auf ein Happy-end?

Zuvor erschienen von Dieter Frankenberg der Gedichtband Der Profit sowie seine Erzählungen in dem Band glitzerträume blau mit fünf Erzählerinnen und Erzählern aus Göttingen. Wie bei diesen Bänden so basieren auch nun die Graphiken auf Holzschnitten von Dieter Frankenberg.

 

Der Profit

Der Profit

  • Holzschnitte und Gedichte
  • 56 Seiten
  • von Hand fadengeheftet
  • Der Profit enthält 22 Abbildungen nach Holzschnitten des Autors
  • Originale 30 cm x 45 cm bis 45 cm x 60 cm

978-3-933974-20-4

10.00 € Anfrage

Das Wort

 

Ein Sinn fand eine Hülse

und schlüpfte in sei hinein.

Einverstanden in Symbiose

lebten sie fortan zu zwei'n.

 

Ein Funktionär fand dies Gebilde

und verleibte es ich ein.

Missbraucht als Wortgehülse

ward es ein Teil von seinem Sein.

 

Wir Nachkriegskinder

Wir Nachkriegskinder

In eine hellere Zukunft
Erinnerungen einer Abiturklasse

  • 352 Seiten
  • Softcover mit sehr vielen Abbildungen
  • Folge-Band zu »Mein Kriegsende«

978-3-86638-152-0

15.80 € Anfrage

Eine Abitur-Klasse des Jahres 1958 erinnert sich.

2005 legte eine Frankfurter Abiturklasse von 1958 das Buch »Mein Kriegsende« vor – eine der ersten großen Dokumentationen, wie die damaligen Kinder den Übergang aus den Kriegserlebnissen in die Friedensjahre erlebten. – Nun setzt die Klasse der heute 70-Jährigen ihre Erinnerungsarbeit fort:

Einem kurzen Rückblick auf die Spuren und Wirkungen des ersten Buches folgen die 19 Berichte aus der Kindheit – gegliedert haben die einstigen Schüler ihre Berichte nach den Besatzungszonen, aus denen sie kamen, und nach den Fluchtwegen, die sie am Ende des Krieges nahmen. Damit zeichnet der Band die Lebens- und Leidenswege der Kinder in einem historisch-politischen, aber auch in ihrem je eigenen emotionalen Gefüge nach.

Der Aspekt des Überganges von einem Gesellschaftssystem in ein anderes, rückblickend aus der Sicht der jungen Menschen geschildert, spielt dabei immer zentral herein.

Neben einem Überblick über die Nachkriegszeit insgesamt, angereichert um einige feuilletonistische Anmerkungen, wird die Schulzeit nach dem Krieg und das Zusammenfinden der Klasse in der Bockenheimer Liebigschule mit einem Porträt des Klassenlehrers Dr. Fleckenstein gegeben. Fünf der ehemaligen Schüler und Ihre Fährnisse sind zudem durch Porträts aus der FAZ »Eine Klasse für sich« (Stange, Rossa, Völker, Frankenberg, Scherzer) vorgestellt – und einige Klassenkameraden zeigen in Einzeltexten wichtige Themen und Weichenstellungen aus ihrem Leben auf.

Eine Vielzahl von unveröffentlichten Fotos machen den zweiten Band der Abitursklasse zu einem Zeitdokument besonderer Eindringlichkeit und Dichte. – Die unermüdliche Arbeit von Herausgeber Manfred Rossa, beim ersten Band zusammen mit Manfred Walther, nun gemeinsam mit Dieter Frankenberg, hat das Ziel, das durch den Untertitel betont ist: neben der beklemmenden Vergangenheit immer wieder die Zukunft herauszustellen – »Nach Krieg und Not in eine hellere Zukunft«!

glitzerträume / blau

glitzerträume / blau

34 kurze geschichten von 5 Autoren

  • 184 Seiten
  • Mit Reproduktionen von 7 Holzschnitten

978-3-86638-156-8

16.00 € Anfrage

Einmal im Monat treffen sich fünf Autorinnen und Autoren. Dann diskutieren und lektorieren sie ihre Texte, die sie je zu einem festgesetzten Thema wie »Das erste Mal«, »Die Feier« oder »Rückenwind« verfasst haben. Dann werden Charaktere hinterfragt, Passagen gestrichen, oder es wird ein neuer Schluss gesucht. Manchmal sind sie sich einig – manchmal wird gestritten. Das funktioniert so seit vielen Jahren – vielleicht, weil vorher gemeinsam gegessen wird. 

Nun gibt es das Buch mit 34 kurzen Geschichten. Über die Lust am Essen, über den Zufall, wie er Schicksal spielt, über die Liebe und den Morgen danach. Geschichten auf dem Schützenfest, im nächtlichen Wald und auf Teneriffa. Über eine folgenreiche Laufmasche am Samstag Nachmittag und eine Taufe ohne Pfarrer. Geschichten von einem Gasmann, der zweimal klingelt, einem Professor mit Handschellen und einem Hasen in der Hängematte.

Die Auswahl reicht von Humoresken bis zu klassischen Kurzgeschichten. Sie erzählen Trauriges, Rührendes, Ungutes, Niederträchtiges. Lektüre für eine Viertelstunde – die sich aber für Jahre einbrennt, wenn etwa die Seelennot eines missbrauchten Kindes in der Kippfigur einer sich freischälenden Ich-Erzählung geschildert wird oder ein ganzes Knechtsleben auf vier Seiten voller dörflicher Quälereien und Verhöhnungen gepreßt ist. Die Prosa spannt den Bogen, schlaglichtartig verdichtet, von der winzigen Begebenheit mit seelischer Langzeitwirkung bis hin zum großen historischen Thema.

Die Autoren neben Conny Hiller: Karin Gundel stammt aus dem Süden, lebt nun in einer Stadt mit vielen Nobelpreisträgern und nicht wenigen miß-vergnügten Menschen. Dieter Frankenberg, ehemaliger Physiker, Lyriker, bildender Künstler, von dem bei uns zwei weitere Titel erschienen. Bernd Kühn interessiert sich für Psychoanalyse und kocht außergewöhnliche Marmeladen. Hiltrud Schuch lebt und malt in einem kleinen Fachwerkhaus auf einer Insel im Weserbergland. – Alle fünf haben bereits in verschiedenen Anthologien veröffentlicht.


Anfang der Erzählung »Das dumme Mädchen« von Conny Hiller:

Irgendwann kriege ich dich!“, hatte er zum Spaß auf das Foto geschrieben, das er einmal heimlich von Jule gemacht hatte.

Seitdem waren mehrere Wochen vergangen, ohne dass er es gewagt hätte, sie anzusprechen. Er saß nur da, hörte zu. Er sah sie an, wie sie lachte, wie sie trank, wie sie Kaugummiblasen machte. Er schaute zu, wie sie an ihren Nägeln kaute, wie sie mit fremden Jungs fort ging und wie sie zurück kam.

Heute war er das erste Mal wieder zum Bushäuschen gegenüber der Feuerwehr gegangen. Niemandem war aufgefallen, dass er eine Woche lang nicht wie üblich nach dem Abendessen aufgekreuzt war, niemand schien jetzt seine Anwesenheit zu registrieren. Er war der Golden Retriever der Dorfjugend. Er wurde gemocht, er störte nicht, und wenn er fehlte, merkte es auch niemand.
Plötzlich schaute Jule ihn an und lächelte.

In dieser Nacht lag er unter seiner Bettdecke mit einem dicken Kissen im Arm und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Seine Gedanken umklammerten Jules Lächeln. Er wollte es für sich allein, für immer und ewig.

Auf dem Weg zum Bushäuschen versuchte er, seine Gefühle zu verbergen. Er schlenderte bei den Heinemanns vorbei und ließ sich auf ein Schwätzchen mit Opa Alfred ein. Als er zum Treffpunkt kam, war es wie immer. Jule schaute durch ihn hindurch. Alle standen um Kadir herum, der sich zum Torjägerkönig der Kreisliga geschossen hatte und nun feiern wollte.

Noch nie hatte er sich so verflucht. Noch nie hatte er sich so danach gesehnt, groß zu sein, kräftig zu sein, cool zu sein. Und noch nie hatte er in seinem Kopf gleichzeitig solch eine Leere gespürt. Später konnte er sich nicht mehr daran erinnern, was ihn geritten hatte, plötzlich zu Jule zu sagen:

„Du gehst mit mir aufs Oktoberfest! Samstag um sechs hole ich dich ab.“

Sie hatte ihn nur mit großen Augen angeschaut und ihren roten Lolli in den Plastikbecher mit Wodka getunkt. …

Ein Samstag nachmittag, von Dieter Frankenberg:

Ein Samstagnachmittag

„Du hast eine Laufmasche.“

Sabine drehte ihren Kopf, sah aber nichts.

„Wo denn?“

„Oberhalb der Kniekehle. Rechts.“

Aus dem Bad holte Klaus einen Spiegel.

„Die ist doch noch ganz kurz. Sieht niemand beim Einkaufen. – Tschüss dann.“

Klaus hatte Wohnungsdienst: Saugen, Wischen, Staub putzen. Nach drei Stunden intensiver Arbeit goss er sich einen Cognac ein. Endlich Wochenende. Sabine und er würden heute Abend essen gehen. Darauf freute er sich.

Er griff nach dem Magazin der Wochenzeitung. Aber die Beiträge langweilten ihn. – Wo bleibt sie denn nur? Der Einkaufszettel war kurz, nur ein paar frische Sachen. Der Bauernmarkt ist mit dem Auto in fünf Minuten zu erreichen.

„Hallo, bin wieder da.“

„Musste die Kuh erst noch gemolken werden?“, frotzelte Klaus.

„Ja! Bin mit dem Melken etwas aus der Übung. Nein, Quatsch. Ich habe Inge endlich mal wieder getroffen.“

Klaus stand in der Küchentür. Sabine zog ihre Jacke aus und hängte sie über einen Bügel. Die Laufmasche in ihrer Strumpfhose reichte von der Kniekehle bis zum Saum ihres Minikleides.
Sabine nahm den Einkaufskorb, den sie an der Garderobe abgestellt hatte, und drehte sich um. Sie kam auf ihn zu. Ihm stockte das Herz.

„Klaus, mach dich nicht so breit in der Tür. Ich komm’ gar nicht vorbei – was ist los? Irgendwie bist du gar nicht da.“

Sabine drückte Klaus den Henkel des Einkaufskorbes in die Hand. Sie ließ sich in einen Sessel fallen.

„Du warst lange weg. Ich dachte schon, du bist ins Schwimmbad gegangen oder hast etwas anprobiert.“

„Ich hatte doch kein Schwimmzeug dabei. Außerdem hätte ich dir das gesagt. Und zur Anprobe hätte ich heute nicht den Nerv gehabt.“

„Ziehst du deine Strumpfhosen manchmal auch links herum an?“

„Ja, wenn ich in Eile bin. – Klaus, was soll das! Bisher hast du nie bemerkt, dass ich ab und zu Strumpfhosen links herum anziehe. Es ist doch egal, ob links oder rechts.“

„Deine Laufmasche ist länger geworden.“

Sabine erhob sich aus dem Sessel und schaute zum rechten Bein:

„Ich sehe nichts.“

„Oberhalb der Kniekehle.“

Klaus schob Sabine vor den Garderobenspiegel.

„Ich sehe nichts am rechten Bein. Was soll das ganze Theater. Das Wort Laufmasche kann ich nicht mehr hören.“

„Das glaube ich dir. Vielleicht solltest du deine Laufmasche am linken Bein bewundern!“

„Klaus, spinnst du?“

„Du willst deine Laufmasche nicht begutachten?“

„Nein! Ich wusste gar nicht, dass du dich an Kleinigkeiten aufgeilen kannst.“

„Oh, doch! Kleinigkeiten, die Leben verändern.“

„Eine Laufmasche?“

„Die nicht. Aber eine, die wundersam vom rechten zum linken Bein gelaufen ist.“

Sabine starrte Klaus an. Wie eine Salzsäule stand sie da.

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