Martin Westenberger

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Martin Westenberger hat Germanistik, Kunsterziehung und Soziologie studiert. Während seines Studiums arbeitete er unter anderem als Roadie, Filmvorführer und Taxifahrer. Seit vielen Jahren ist er als Projektleiter in der Filmbranche beschäftigt. Er lebt in Frankfurt am Main. Im Jahr 2018 veröffentlichte er den Lyrikband »Anmerkungen zum Sonnenstand«, dem 2019 der Band »Mein Vater war Schwimmer« folgte. Mehr auf seiner Autorenwebsite www.martinwestenberger.com.

Ralf-Rainer Rygulla über Martin Westenbergers Arbeiten: Martin Westenbergers Gedichte sind skelettierte Erzählungen, die den Leser mit einem erschrockenen und einem grinsendenAuge ratlos machen. Und dann, beim Auflachen, wird man unsicher, ob das angemessen ist.

 

das mega-festival

das mega-festival

Gedichte

  • 112 Seiten
  • Softcover

978-3-86638-290-9

16.00 € Bestell-Anfrage

 

Zwischen diesen beiden Gedichten

obwohl die welt sich schneller dreht

müssen wir doch antworten finden,
ein schal, eine mütze etwa,
vielleicht auch die beine warm halten,
die ketten müssen stabiler sein,
da ist ja alles von uns
bereits auf den weg gebracht.

wie prophezeit, ist auch der computer
gekommen u. hat die ganze welt
vollgekleckert, nachdem ihn
nahezu alle berufsgruppen mit ihren
daten gefüttert haben, auch das
haben wir entsprechend flankiert,
mit signalleuchten u. absperrhüten.

lassen sie mich das eine noch sagen.
wenn sekretärinnen sich nun
struppige kurzhaar-frisuren machen
lassen, ist es der sich schneller
drehenden welt vielleicht angemessen,
aber dennoch nicht zielführend.

kopftücher bieten sich hier an, mit
ganz neuen implikationen.
wir hatten das bereits letzte
weihnachten eingebracht, war aber
leider nicht mehrheitsfähig, genauso
wenig der schal, wir hatten vor hals-
schmerzen gewarnt.

wir verfolgen dennoch unser konzept
der ruhigen hand weiter, bis 2030
einstellung aller co2 äußerungen.

spielt sich der gesamte Gedicht-Band von Martin Westenberger ab:

ihr habt angst

vor alter u. depression, dann
kommt mich besuchen, ich
habe gerade brot in der
pfanne aufgebacken u. es
mit marmelade bestrichen.

in der küche gibt es ein fenster,
hier kann man weit
in die landschaft schauen,
an diesem regen

tag. wir essen das marmeladenbrot    
zusammen u. verzichten
auf weitere optionen.

sollte sich unser blick einmal
absichtslos treffen, tun wir
einfach so, als wäre nichts
geschehen.


(Cover-Foto von Rainer Servos †, mit Dank und in freundlichem Gedenken)

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