Hans Haverkampf

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Hans-Erhard Haverkampf ist Wirtschaftswissenschaftler. Ab 1975 war er Mitglied des Frankfurter Magistrats und wirkte hier bis 1989 als Baudezernent. Danach freiberufliche Tätigkeit. Von 1997 an leitete er den Neubau des Bundeskanzleramtes in Berlin und zweier Bauten des Bundestages. 2003 bis 2005 Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Anschließend war er in verschiedenen kulturellen Bereichen tätig. Diverse Veröffentlichungen, Meercazzing ist sein erster Erzählband.

Meercazzing

Meercazzing

6 Novellen

  • 200 Seiten
  • Reihe Die Hauptwerke
  • Hardcover mit Lesebändchen

978-3-86638-167-4

18.00 € Anfrage

Die vielleicht schwierigste der literarischen Gattungen ist hier gleich mehrfach gemeistert – sechs Novellen hat der ehemalige Baudezernent Frankfurts aus einem überbordenden Fundus an historischen Beinahe-Katastrophen und Lebensschiefläufen herausgemeißelt.
Schlagworte wie Jacob Wassermann, Bellman, George mögen einen verlocken und sind Referenz zum Erzählen von Haverkampf. Da beginnt der Dom zu Florenz einzustürzen, und ein Intellektueller wird zum wagemutigen Lebensretter unter der Kirchenkuppel. Die Traumatisierung durch eine Schlachtung, die ein 7-jähriger durchs verbotene Kellerfenster erlebt, kippt fast in die Perspektive eines um ein Haar dem Bolzenschuß entkommenen Schweins. Ein Handlungsfaden aus den Freiheitskrieg pilzt auf zur Familien-Tragödie. Eine Rosenzucht brennt ab, weil eine gärtnereibetriebliche Nachfolgeregelung nicht glückt. Kein Geringerer als Sigmund Freud wird zum Gutachter in einem Wiener Entmündigungsverfahren berufen. Ein Märchen stülpt sich in die Realität und beendet die Karriere eines jungen Dichters.
Sanft wabert der Grusel an der Grenzschicht zwischen einander feindlichen Welten, die Hans Haverkampf – wie fern diese Welten uns historisch oder in ihren Lebensumständen oder in ihren Obsessionen auch sein mögen – mit Lust am psychologischen Detail ausleuchtet. Die Höhe seines Tons und die Dichte seiner Handlungsbögen erzeugen einen erzählerischen Sog, den man von den Meistern der Novellendichtung kennt. Wie Haverkampf jedoch die Subtilitäten der einzelnen, sich gegenseitig ausschließenden Welten ineinander wirken läßt, wie er ihre Verwobenheit noch in ihren archaischsten Abgrenzungs- und Zerstörungsunternehmungen herausstellt, das ist näher an zeitgenössischen Zuständen, als die großen Modernen es sein können.

Aus der Novelle »Die Affaire Odilon«:
Er hängt mir am Hals, dieser schwarze Wurm, der sich aus seiner Unscheinbarkeit aufdickt, wenn er mein Blut saugt. Aber ich warte, und ich warte nicht vergebens, dass er sich irgendwann, ich ersehne bald, übervoll gezuzelt hat, überselig im Rausch an mir hängt, einen Moment mir nicht pariert, ich ihn abzerren kann, und er im Kochwasser strudelt. Blut rinnt noch nach, ein Mal wird mir bleiben, ein kleiner, stichelnder Punktschmerz. – Schlimmeren hab ich erlebt …

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