Hans Haverkampf

20190809111046_Haverkampf-2-schmal_350x0-aspect-wr.JPG

Hans-Erhard Haverkampf ist Wirtschaftswissenschaftler. Ab 1975 war er Mitglied des Frankfurter Magistrats und wirkte hier bis 1989 als Baudezernent und entwickelte zusammen mit Hilmar Hoffmann das Frankfurter Museumsufer. Danach freiberufliche Tätigkeit. Von 1997 an leitete er den Neubau des Bundeskanzleramtes in Berlin und zweier Bauten des Bundestages. 2003 bis 2005 Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Anschließend war er in verschiedenen kulturellen Bereichen tätig.

Nach diversen Veröffentlichungen war »Meercazzing« (siehe unten) sein erster Erzählband. »Die Schwarze Kutsche« ist, nachdem er zwischenzeitlich weitere essayistische Publikationen vorgelegt hatte, unter anderem ein lesenswertes Buch über Walter Benjamin, sein erster Roman.

Aus dem neuen Buch liest Hans Haverkampf im Rahmen von OPEN BOOKS während der Frankfurter Buchmesse am 19.10.2019 im Kapellchen im Röhmer Frankfurt, Paulsplatz.

 

Die Schwarze Kutsche

Die Schwarze Kutsche

Roman aus der frühen städtischen Industrialisierung

  • 350 Seiten
  • Hardcover mit Lesebändchen

978-3-86638-281-7

22.00 € Bestell-Anfrage

Der langjährige Stadtbau-Dezernent Frankfurts Hans Haverkampf unternimmt in seinem zweiten literarischen Buch eine packende Zeitreise in den Sommer des Jahres 1759.

Drückende Hitze liegt über der Stadt Frankfurt am Main, die dem Autor Haverkampf baulich, geographisch wie historisch bestens vertraut ist: Wir lernen Susan und Melissa Hugenheim kennen, die mit ihrem Hauslehrer Michel Schneemilch zum 100-jährigen Jubiläum des väterlichen Wollgroßhandels ein Schäferspiel einüben. Durch Zufall gerät der Medizinstudent Jakob Kreuzer unter die Probenden – und Susan überredet ihn für die Rolle des fremden Schäfers. Hauslehrer Michel hat persönliche Motive, der sich trotz Standesunter- schieden zwischen Jakob und Susan anbahnenden Nähe Steine in den Weg zu legen ...

Die beginnende Liaison bleibt nicht die einzige zwischen den Familien. Die pietistisch frömmelnde Melissa wird in der Verbindung mit Lorenz, dem zweiten Sohn des Patriarchen Adam Kreuzer, zur talentierten Geschäftsfrau. Was aber haben Wolltuchhandel und Eisenverarbeitung in Kriegszeiten gemeinsam? Sie werden zu Uniformen und Waffen – immerhin spielt das Buch mitten im Sieben- jährigen Krieg, was Hans Haverkampf in vielen Strängen des Romans kenntnisreich hinterfüttert: »Dieser historische und kulturhistorische Diskurs ... macht für mich den großen Reiz dieses bemer- kenswerten und eigenwilligen Erzählwerks aus«, sagt Harry Oberländer, der langjährige Leiter des Literaturforums Hessen im Mousonturm Frankfurt, über das an Figuren und Handlungssträngen pralle Buch.

Gigantische Summen pumpen die Antagonisten Britannien und Frankreich in die Erbfolgekriege. Entsprechend entwächst die Auftragslage der Gesellschaft Hugenheim&Kreuzer rasch den nicht unbescheidenen Frankfurter Dimensionen. Neid entsteht, verbunden mit Intrigen. Als schließlich Michel Schneemilch Susan Hugenheim entführt, heftet sich ein Gerücht an seinen Namen: Ist er Jude? Führt der Skandal womöglich zu einem Pogrom? Der Bankier Cornelis Kuypers scheint an alledem nicht unbeteiligt zu sein. Er verfügt offenbar über unbegrenzte Mittel, schreckt aber in seinen europaweiten Ambitionen auch vor Drohungen und Gewaltanstiftung nicht zurück. Das alles trifft Hugenheim&Kreuzer empfindlich.

Noch einmal Harry Oberländer: »Die ironische Distanz des Autors ist in einzelnen Kapiteln zu großer Satire gesteigert, die sich beispielsweise an der Hinterzimmer-Politik von Mitgliedern des Rats der Stadt Frankfurt entzündet. Ich gehe davon aus, dass hier Erfahrungen des Autors eingegangen sind, die Jahrhunderte spielend überschritten haben. Ein großes und anspruchsvolles Lesevergnügen.«

Zum Glossar.

Meercazzing

Meercazzing

6 Novellen

  • 200 Seiten
  • Reihe Die Hauptwerke
  • Hardcover mit Lesebändchen

978-3-86638-167-4

18.00 € Bestell-Anfrage

Die vielleicht schwierigste der literarischen Gattungen ist hier gleich mehrfach gemeistert – sechs Novellen hat der ehemalige Baudezernent Frankfurts aus einem überbordenden Fundus an historischen Beinahe-Katastrophen und Lebensschiefläufen herausgemeißelt.
Schlagworte wie Jacob Wassermann, Bellman, George mögen einen verlocken und sind Referenz zum Erzählen von Haverkampf. Da beginnt der Dom zu Florenz einzustürzen, und ein Intellektueller wird zum wagemutigen Lebensretter unter der Kirchenkuppel. Die Traumatisierung durch eine Schlachtung, die ein 7-jähriger durchs verbotene Kellerfenster erlebt, kippt fast in die Perspektive eines um ein Haar dem Bolzenschuß entkommenen Schweins. Ein Handlungsfaden aus den Freiheitskrieg pilzt auf zur Familien-Tragödie. Eine Rosenzucht brennt ab, weil eine gärtnereibetriebliche Nachfolgeregelung nicht glückt. Kein Geringerer als Sigmund Freud wird zum Gutachter in einem Wiener Entmündigungsverfahren berufen. Ein Märchen stülpt sich in die Realität und beendet die Karriere eines jungen Dichters.
Sanft wabert der Grusel an der Grenzschicht zwischen einander feindlichen Welten, die Hans Haverkampf – wie fern diese Welten uns historisch oder in ihren Lebensumständen oder in ihren Obsessionen auch sein mögen – mit Lust am psychologischen Detail ausleuchtet. Die Höhe seines Tons und die Dichte seiner Handlungsbögen erzeugen einen erzählerischen Sog, den man von den Meistern der Novellendichtung kennt. Wie Haverkampf jedoch die Subtilitäten der einzelnen, sich gegenseitig ausschließenden Welten ineinander wirken läßt, wie er ihre Verwobenheit noch in ihren archaischsten Abgrenzungs- und Zerstörungsunternehmungen herausstellt, das ist näher an zeitgenössischen Zuständen, als die großen Modernen es sein können.

Aus der Novelle »Die Affaire Odilon«:
Er hängt mir am Hals, dieser schwarze Wurm, der sich aus seiner Unscheinbarkeit aufdickt, wenn er mein Blut saugt. Aber ich warte, und ich warte nicht vergebens, dass er sich irgendwann, ich ersehne bald, übervoll gezuzelt hat, überselig im Rausch an mir hängt, einen Moment mir nicht pariert, ich ihn abzerren kann, und er im Kochwasser strudelt. Blut rinnt noch nach, ein Mal wird mir bleiben, ein kleiner, stichelnder Punktschmerz. – Schlimmeren hab ich erlebt …

axel dielmann-verlag KG

axel dielmann – verlag
Kommanditgesellschaft in Frankfurt am Main

Donnersbergstraße 36 - 60528 Frankfurt am Main
Fon: 069 / 9435 9000 - eMail: neugier[at]dielmann-verlag.de

Impressum | Datenschutz & Rechtliche Hinweise | ABG · Alle Rechte vorbehalten © axel dielmann-verlag KG | Attribution, Credits and Copyrights | generated by MATRIX-CMS